Digitale Signatur von E-Rechnungen trotz Beweismittelfreiheit?

In der Schweiz wurde mit der Revision des MWSTG per Anfang 2010 der Grundsatz der Beweismittelfreiheit eingeführt. Müssen elektronische Rechnungen dennoch wie in Artikel 3 der Verordnung über elektronische Daten und Informationen (ElDI-V) digital signiert werden?

Nein. In einer am 27. September 2016 von der ESTV publizierten Praxispräzisierung wird darauf hingewiesen, dass in der Schweiz keine Signaturpflicht für E-Rechnungen mehr besteht.

"Bei übermittelten und aufbewahrten Daten, die für den Vorsteuerabzug, die Steuererhebung oder den Steuerbezug relevant sind, muss unabhängig davon, ob sie auf Papier oder elektronisch vorliegen, der Nachweis des Ursprungs und der Unverändertheit erbracht werden.

Bei elektronischen Daten ist dieser Nachweis insbesondere dann erbracht, wenn die elektronischen Daten digital signiert sind. Eine digitale Signatur bietet den besten Schutz vor nicht feststellbaren Veränderungen.

Aufgrund des Grundsatzes der Beweismittelfreiheit kann der Nachweis des Ursprungs und der Unverändertheit aber auch dann als erbracht angenommen werden, wenn die Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung nach Artikel 957a OR eingehalten sind. Die Papierrechnung und die elektronische Rechnung sind gleichgestellt, denn die Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung gelten für alle Arten von Buchungsbelegen."

Hinweis: Mit der MWSTG-Revision von 2010 erfolgte eine Abkehr vom "Formalismus" bei der Steuerprüfung. Seither steht bei der Prüfung die materielle Korrektheit von Buchführung und Belegen im Vordergrund.

Details der ESTV zur erwähnten Praxispräzisierung und zur Beweismittelfreiheit:

https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/mehrwertsteuer/fachinformationen/elektronischer-geschaeftsverkehr.html

https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/mehrwertsteuer/fachinformationen/beweismittelfreiheit.html