swissDIGIN-Forum: Rückblick auf Veranstaltung vom 20. November 2013

Erfahrungen von E-Invoicing-Nutzern mit der Mehrwertsteuerprüfung

Die Schweiz kann inzwischen auf über 10 Jahre E-Invoicing zurückblicken. Dabei konnten bereits einige E-Invoicing-Nutzer auch Erfahrungen im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuerprüfung sammeln. Im Rahmen des swissDIGIN-Forum vom 20. November wurden Erfahrungen von E-Invoicing-Nutzern aus einer im Vorfeld durchgeführten Blitzumfrage vorgestellt und diskutiert. Es zeigte sich, dass bei Mehrwertsteuerprüfungen in mehr als der Hälfte der Prüfungen Aspekte von E-Invoicing nicht berücksichtigt wurden und seit der Mehrwertsteuerreform von 2010 weiterhin Unsicherheiten herrschen. Marcel Niederberger von der Eidgenössischen Steuerverwaltung zeigte auf, wie sich die im Zuge der Reform eingeführte Beweismittelfreiheit auf E-Invoicing auswirkt. In der angeregten Diskussion konnten dabei einige Unsicherheiten und Fragen geklärt werden. Gleichzeitig war festzustellen, dass viele Unternehmen weiterhin den früher gepflegten Formalismus pflegen. Im zweiten Teil der Veranstaltung gaben Nils Kernen und Marco Magnaguagno einen Einblick in ihre E-Invoicing-Lösung des Swisscom-Konzerns in der Rolle als Rechnungsempfänger.

 

Christian Tanner und Ralf Wölfle, FHNW, konnten gegen 70 Teilnehmende zum 17. swissDIGIN-Forum begrüssen.

Christian Tanner stellte zu Beginn die aktuellen Aktivitäten des swissDIGIN-Forums vor, insbesondere die neue swissDIGIN-Webseite, die seit ihrer Aufschaltung im März 2013 rege genutzt wird sowie das E-Invoicing Teilnehmerverzeichnis (www.edirectory.ch) das nun mit Daten der vier Service Provider Abacus, PostFinance, SIX Group und Swisscom online ist. Anschliessend führte er ins Hauptthema der Veranstaltung  ein und zeigte die detaillierten Ergebnisse der Blitzumfrage zur Mehrwertsteuerprüfung. Dabei hat sich gezeigt, dass 29 Unternehmen von den 182 Umfrageteilnehmern bereits Erfahrungen mit er Mehrwertsteuerprüfung und E-Invoicing gemacht haben, jedoch Aspekte von E-Invoicing von den Steuerexperten nicht immer berücksichtigt wurden. Aus lässt sich aus der Umfrage eine Unsicherheit in diesem Themenkomplex herauslesen.

Marcel Niederberger, Eidgenössische Steuerverwaltung, erläuterte im Zusammenhang der Steuerprüfung das seit der Mehrwertsteuerrevision von 2010 geltende Konzept der Beweismittelfreiheit. Hierin haben die Steuerpflichtigen dafür zu sorgen, dass sie über geeignete Beweismittel verfügen, um steuermindernde Tatbestände (z.B. Vorsteuerabzug) belegen zu können. Weil der Beweis eines Tatbestands gesetztlich jedoch nicht mehr an ein bestimmtes Beweismittel geknüpft ist, dürfen die Steuerpflichtigen, falls eine Rechnung fehlt oder mangelhaft ist, auch andere Beweismittel beibringen. Zum Beweis geeignete Belege sind aber im Interese der Steuerpflichtigen, deshalb kommt der Sicherstellung des Nachweises der Unverändertheit (Integrität) und des Ursprungs (Authentizität) von Belegen eine wichtige Bedeutung zu. Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass der früher gepflegte Formalismus der Vergangenheit angehören muss und bei der Prüfung die materiellen Mängel im Vordergrund stehen renzen stehen und zu Bussen und Aufrechnungen führen. Die Grundsätze des neuen MWSTG sind nach wie vor sowohl für Unternehmen wie auch für die Steuerverwaltung eine Herausforderung.

Nils Kernen (Leiter Accounting Payables) und Marco Magnaguagno (Projektmanager), Swisscom, stellten die E-Invoicing-Lösung in der Rolle als Rechnungsempfänger vor. Sie zeigten auf, wie sie inzwischen 60% der jährlich über 300'000 Lieferantenrechnungen elektronisch abwickeln und versuchen die restlichen Papierrechnungen effizient zu verarbeiten. Sie hoben hervor, dass der Roll-out vorallem dann gelingt, wenn die Ausbreitung als Projektorganisation mit Management-Unterstützung aufgesetzt wird. Swisscom strebt auch an, den Prozess möglichst von der Bestellung bis zur Zahlung vollständig elektronisch abzuwickeln. Als neue Optimierungsvarianten hat Swisscom das elektronische Gutschriftsverfahren sowie die elektronische Abrechnung von Geschäftskreditkarten eingeführt.

Zum Ende der Veranstaltung wurden die Hauptmotive zur Teilnahme am swissDIGIN-Forum sowie konkrete Vorschläge zu Themen, Massnahmen sowie Anliegen an das swissDIGIN-Forum gesammelt. Diese Rückmeldungen dienen dem Partnerkreis zur bedürfnisorientierten Ausrichtung des swissDIGIN-Forum im Jahr 2014.