swissDIGIN-Forum: Rückblick auf Veranstaltung vom 18. Juni 2014

Zugpferde im E-Invoicing? - ZUGFeRD-Standard - BR Bauhandel - EFV

Es braucht zugkräftige Pferde bzw. Projekte und Umsetzungen für den endgültigen Durchbruch von E‑Invoicing. Dies könnte bei ZUGFeRD gegeben sein, einem Formatstandard, der durch das Forum e‑Rechnung Deutschland (FeRD) entwickelt und gefördert wird. Er basiert auf einem PDF-Rechnungsdokument, dem strukturierte Daten in einem standarisierten Format angefügt werden können. Die BR Bauhandel AG hat in ihrer Branche Zug entwickelt und dort E-Invoicing zum Thema gemacht. Ein wichtiges Zugpferd ist Kraft seiner Position der Bund. Wo er in der Umsetzung der E-Invoicing-Vorhaben steht und was die kommenden Pläne in der öffentlichen Verwaltung sind, ist für die weitere Verbreitung der elektronischen Rechnung in der Schweiz von grosser Bedeutung.

Christian Tanner, FHNW, konnte als Leiter des swissDIGIN-Forums über 60 Teilnehmende zur 18. Ausgabe begrüssen, stellte die laufenden Aktivitäten vor und führte in die Themen des Nachmittags ein.

Andreas Pelekies, GS1 Germany, stellte die Entwicklung des Formatstandards ZUGFeRD vor, der in Deutschland dem elektronischen Rechungsaustausch vor allem bei den kleinen Unternehmen und in der öffentlichen Hand zum Durchbruch verhelfen soll. Dabei handelt es sich um eine Rechnung im PDF/A-3 Format, bei der die Rechnungsdaten im XML-Format eingebettet sind. Der Standard soll ermöglichen, die Rechnungen einfach in Business Software-Programmen zu erstellen. Rechnungsempfänger können schliesslich wählen, ob sie in den Folgeprozessen mit der PDF-Datei oder mit den strukturierten XML-Daten weiterarbeiten. Die GS1 Germany hat begonnen ihren Mitgliedern die Rechnungen im ZUGFeRD-Format zu versenden. Sie stösst dabei auf eine hohe Akzeptanz und profitiert von einem schnelleren Zahlungseingang. Als Mitglied der ZUGFeRD-Arbeitsgruppe des Forums e-Rechnung Deutschland (FeRD) ist Herr Pelekies überzeugt, dass ZUGFeRD in den kommenden Jahren von Software-Anwendungen unterstützt werden wird und deshalb grosse Verbreitung erfahren wird.

Marcel Laube, crossinx, präsentierte das Vorhaben des Deutschen Bundesministeriums des Inneren (BMI) zur flächendeckenden Einführung des elektronischen Rechnungsempfangs, was für die öffentliche Hand in Deutschland ab 2018 zur Pflicht werden wird. Erste Pilotprojekte werden mit dem ZUGFeRD-Standard umgesetzt, um eine möglichst schnelle Verbreitung zu erreichen.

Jörg Ilg, BR Bauhandel AG, zeigte auf, welche Anstrengungen nötig sind, um in einer Branche, die noch kaum E-Invoicing betreibt, Lieferanten für den elektronischen Prozess zu gewinnen. Dank Hartnäckigkeit und systematischem Vorgehen konnten innert vier Jahren substanzielle Einsparungen realisiert werden. Der Anteil von über 40% an elektronischen Rechnungen vom Gesamtvolumen kann noch gesteigert werden. Um das zu erreichen, wünscht sich BR Bauhandel jedoch weitere Vereinfachungen auf Seite der E-Invoicing Dienstleister.

Simon Zbinden, Eidgenössische Finanzverwaltung, gab einen Überblick über den Stand der Umsetzung der E-Invoicing-Vorhaben des Bundes und über die Massnahmen zur Förderung der E-Rechnung auf allen föderalen Stufen. So war auch zu erfahren, dass neben PostFinance neu auch Swisscom und Billexco als Provider eingesetzt werden. Letzterer wird für den Empfang signierter PDF-Rechnungen genutzt. Handlungsbedarf ortet die EFV bei den noch zu hohen Kosten für E-Invoicing für kleinere Organisationen und in der zu wenig konsequenten Standardisierung in den Prozessen und in der Interpretation von Feldinhalten. Die EFV ist gewillt mit gezielten Massnahmen den aktuellen Anteil von 14% E-Rechnungen in den kommenden Jahren substanziell zu steigern.