swissDIGIN-Forum: Rückblick auf die Veranstaltung vom Mittwoch, 21. Juni 2017

Signaturpflicht weg – was nun?

 

Christian Tanner, FHNW, begrüsste die fast 100 Teilnehmenden der trotz Ferienzeit gut besuchten Veranstaltung zum Thema "Signaturpflicht weg – was nun? Sicherheit und Orientierung im E-Invoicing". Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat Ende September 2016 in einer Praxispräzisierung bekannt gemacht, dass die Pflicht zur elektronischen Signierung von E-Rechnungen aufgehoben ist. Nachdem PDF-Rechnungen bereits im Forum vom November 2016 thematisiert wurden, wurde diesmal diskutiert, wie die die neue Sachlage von Wirtschaftsprüfern beurteilt wird, welche Risiken mit der Übermittlung von Geschäftsdokumenten über verschiedene Kanäle verbunden sind und wie die Archivierung in einem heterogenen Umfeld sinnvoll gelöst wird.

 

 

Christian Tanner eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick der jüngsten Aktivitäten im swissDIGIN-Forum. Zuletzt wurde eine Zusammenarbeit als Verbandspartner mit Treuhand¦Suisse und ExpertSuisse geschlossen. Die Version 4.0 des swissDIGIN-Standards wurde bei eCH als Aktualisierung beantragt und das neue Design der Webseite erfolgreich abgeschlossen. Ebenso wurde die nationale Statistik zum E-Invoicing im 2016 publiziert. Den Einstieg in das Thema des Nachmittags bot ein Blick auf die Frage «was ändert sich, was bleibt gleich?» Der Wegfall der Signaturpflicht lässt neue Lösungsmöglichkeiten zu, platziert aber auch ganz klar die Verantwortung bei den Steuerpflichtigen.

 

Dominique Brack und Patric Knus, Swisscom, sensibilisierten das Publikum für die Risiken bei der Übermittlung von Geschäftsdokumenten aus der personalen, technischen und prozessualen Sicht. Sie betonen, dass die digitale Signatur weiterhin ein wichtiger Baustein ist, da Authentizität und Integrität der Daten technisch ohne eine Signatur nicht garantiert werden können. Als Service Provider müsse man jedoch die neusten Entwicklungen aufnehmen und auch für die Übermittlung von Rechnungen via E-Mail griffige Lösungen bereitstellen.

 

Ergänzend dazu gab Robbert Spierings, Arcplace, Empfehlungen für die elektronische Archivierung. Er stellte die Vorteile von Enterprise Content Management Systemen vor, welche nicht nur die rechtskonforme elektronische Archivierung abdecken, sondern sich auch verschiedenste Daten und Dokumente in definierte Prozesse lenken lassen. So digitalisierte Abläufe können zu höherer Effizienz, Compliance und Sicherheit führen. Es liegt jedoch weiterhin in der Verantwortung der Organisation, auch dort die nötige Ordnung zu wahren. Solche Systeme könnten schon für KMU rentabel umgesetzt werden.

 

Niklaus Honauer, PwC, komplettierte die Betrachtung mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus Sicht des Prüfers und Beraters. Auch wenn es nicht an ihm liege Rezepte zu vermitteln, so machte er doch deutlich, dass sich durch die Aufhebung der Pflicht zur Signatur steuerrechtlich materiell nicht viel Relevantes geändert hat. Nach wie vor gelte es, die Prozesse zu beherrschen und inhaltlich korrekte Belege zu verarbeiten. Der detaillierten formalen Korrektheit werde inzwischen weniger Bedeutung beigemessen. Der Prüfpfad muss weiterhin verlässlich die Echtheit der Herkunft und Unverändertheit des Inhaltes und dies ist auch weiterhin in der Verantwortung der Steuerpflichtigen. Auch brachte er Verständnis dafür auf, dass die ESTV sich nicht als Prüferin von Systemen und Prozessen sehe.

 

Nach der Networking-Pause ging der Fokus zu den aktuellen Entwicklungen im E-Invoicing. Richard Chresta, GS1, stellte die Vorzüge von hybriden PDF-Rechnungen mit strukturierten XML-Daten nach dem Vorbild von ZUGFeRD vor. In einer Arbeitsgruppe werden derzeit Umsetzungsrichtlinien sowie ein Leitfaden für die Einführung eines ähnlichen Standards in der Schweiz vorbereitet. Zur Vernehmlassung sind alle Interessierten eingeladen.

 

Dann gaben Ivo Portmann und Thomas Reske, SIX Group, einen Einblick in die Entwicklung der geplanten SIX Paynet Plattform für die Abwicklung von E-Rechnungen sowie in das Projekt Rechnung mit QR-Code. Mit Letzterer kommt man internationalen Anforderungen an Transparenz im Zahlungsverkehr nach. Zukünftig können mittels des QR-Code auf einfache Art strukturierte Daten ausgelesen werden. Die Einführung der QR-Rechnung erfolgt zum 01.01.2019. Für die Zeit des Parallelbetriebs von bisherigen Lösungen und der neuen Rechnung mit QR-Code wurde von Seite swissDIGIN angeregt, den Rechnungsstellern Empfehlungen für die Umsetzung zu geben. Das swissDIGIN-Forum prüft die Definition von Zuordnungsinformationen, die in einem dafür vorgesehen freien Feld in den QR-Code integriert werden könnten.

 

Zum Schluss fasste Christian Tanner die Ergebnisse des Nachmittags zusammen. Detailliertere Informationen können Sie den einzelnen Präsentationsfolien entnehmen.