swissDIGIN-Forum: Rückblick auf die Veranstaltung vom Mittwoch, 22. November 2017

Einsteigerlösungen für den Durchbruch?

 

Christian Tanner, FHNW, begrüsste die ca. 80 Teilnehmenden der Veranstaltung zum Thema "Einsteigerlösungen für den Durchbruch? – QR-Rechnung Schweiz & Hybrid-Rechnung". Schon lange ertönt der Ruf nach einfachen Lösungen zur elektronischen Rechnungsübermittlung. Implizit ist damit immer die Hoffnung verbunden, damit den grossen Durchbruch im E-Invoicing zu schaffen: Die elektronische Rechnung als Selbstverständlichkeit! Am swissDIGIN-Forum wurden dazu die aktuellsten Entwicklungen beleuchtet und die Zusammenhänge verschiedener internationaler Initiativen aufzeigt. Ausserdem wurde in moderierten Workshops diskutiert, wo es in Sachen inhaltlicher und prozessualer Anforderungen noch Punkte gibt, die bereinigt und vereinfacht werden sollen.

 

 

 

Christian Tanner eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick der jüngsten Aktivitäten im swissDIGIN-Forum. Zuletzt wurde veb.ch als Verbandspartner gewonnen sowie die Version 4.0 des swissDIGIN-Standards beim Verein eCH angenommen. Zudem werden Christian Tanner und Sarah-Louise Richter demnächst einen englischsprachigen Artikel zum Thema «Digitalizing B2B business processes – the learnings from e-invoicing» in einem Buch des Springer-Verlags veröffentlichen. Zusätzlich arbeitet swissDIGIN mit SWICO daran, die Syntaxdefinition für die QR-Rechnung anzupassen, damit sie mit dem branchenübergreifenden swissDIGIN-Inhaltsstandard harmonisiert ist, um damit die Rechnungsprüfprozesse auf Empfängerseite besser/effizienter zu unterstützen.

 

Sarah-Louise Richter, FHNW, leitete das Thema des Nachmittags ein mit einem Überblick über E-Invoicing Standards in Europa und die verschiedenen Akteure, die bei deren Entwicklung massgeblich sind. Neben den bekannten Standards UN/EDIFACT, UN/CEFACT XML CII und UBL wurde auch ISO 20022 angesprochen, welcher mit der Implementierung der QR-Rechnung in den Fokus rückt. Grundsätzlich ist aber eine Konvergenz der Standards in Richtung UN/CEFACT XML CII zu erkennen, worauf auch die hybriden Formate wie ZUGFerD 2.0 (international bekannt als Factur-X) basieren.

 

Christian Tanner beleuchtete die Hybridrechnung und QR-Rechnung aus Anwendersicht. Die QR-Rechnung vereint bereits viele Elemente, welche sie als Einsteigerlösung erfolgreich machen können. Sie basiert auf gut definierten Standards, wird wohl von vielen Business Software-Lösungen erstellt udn verarbeitet werden können und bietet hohen Komfort für den Nutzer. Die PDF-Rechnung mit XML (ZUGFeRD 1.0) hingegen, hat bezüglich Harmonisierung und Verbreitung noch Hürden zu überwinden.

 

Ergänzend dazu gab Rolf Wessel, Seeburger AG, einen Überblick zu den jüngsten Entwicklungen der CEN-Norm «EN 16931 - Elektronische Rechnungsstellung», UN/CEFACT XML und ZUGFeRD 2.0. Er betonte, dass sowohl ZUGFeRD als auch die deutsche X-Rechnung innerhalb der CEN-Norm vollständig gleichwertige Formate darstellen, welche zukünftig den Austausch elektronischer Rechnungen zwischen Geschäftspartnern, aber auch mit der öffentlichen Verwaltung in Europa ermöglichen.

 

Simone Sporing, Coop, komplettierte die Betrachtung mit einem Bericht darüber, wie Coop die hybride Rechnung mit PDF und strukturierten Daten im XML einsetzt, um Prozesse rund um Betriebskosten-Rechnungen zu vereinfachen. Die Warenwirtschaftsrechnungen werden weiterhin im klassischen EDI-System vollstrukturiert im EANCOM-Standard  verarbeitet, da sich dieses als gut funktionierende Lösung bewährt hat. Für die variantenreichen Betriebskosten-Rechnungen ist Coop vom Erfolg der hybriden Rechnungen überzeugt und hofft, dass sich ZUGFeRD als Standard weiter verbreitet.

 

Nach einer Networking-Pause waren dann die Teilnehmenden gefragt. In moderierten Workshops wurde ein Stimmungsbild zusammengetragen, wie die Teilnehmenden diverse Punkte im swissDIGIN-Inhaltsstandard und deren mögliche Konvergenz zum UN/CEFACT XML einschätzen. Zudem wurde über die Auswirkungen von Hybrid- und QR-Rechnung auf die Förderung der elektronischen Rechnungsstellung diskutiert.

 

Zum Schluss fasste Christian Tanner die Ergebnisse des Nachmittags zusammen. Grundsätzlich sind sich die Teilnehmenden einig, dass die QR-Rechnung als niedrigschwellige Lösung einen ersten Schritt von der Papierrechnung zur strukturierten elektronischen Rechnung darstellt, und sich auch Softwareanbieter dadurch vermehrt mit dem strukturierten Datenaustausch auseinandersetzen werden. Die Hybrid-Rechnung eröffnet eine weitere Chance, welche das swissDIGIN-Forum mitgestalten und nutzen möchte, um die Annäherung der diversen Standards zu fördern. Dennoch bleiben die Qualität der strukturierten Daten und das Management verschiedener Standards wesentliche Erfolgsfaktoren, auch bei Einsteigerlösungen.

 

Detailliertere Informationen können Sie den einzelnen Präsentationsfolien entnehmen.